Anekdote mit Wolf-Dieter Ahlenfelder. Von früher, als er als Schiedsrichter auf dem Platz stand. Bei seinem berühmten Auftritt in Bremen, als er nach nur 32 Minuten zur Halbzeit pfiff. „Statt meiner wertvollen Junghans muss ich wohl eine einfache Uhr von Quelle getragen haben. Aber mein Mann an der Linie, Rüdiger Wuttke, und Eisenfuß Höttges haben mich sofort auf meinen Fehler aufmerksam gemacht.“ Höttges: „Ahli, es kann noch nicht Halbzeit sein, mein Trikot ist noch nicht naß.“ Da habe ich wieder angepfiffen. Schiedsrichterball und weiter.

Wer eine Kuchenform hat, will manchmal auch einen Kuchen backen. Normal. Wer Konditor ist, muß jeden Tag Kuchen backen. Und ihn verkaufen. Kapitalismus. Wer ein Fußballblog als Form hat, ist Monarch in einem Zwischenreich. Kaiser der Form & Lichtgestalt des Inhalts. Vor Nebenwirkungen schützt der Fußballgott.
Leben fügt Ihnen und Menschen in Ihrer Umgebung glücklicherweise Fußball zu. Machen Sie mit, gehen Sie hin, und/oder schreiben Sie drüber. Niemand gibt seinen Segen. Es ist Ihr Ding! (netzberg)

Da hat es sich die Sparda-Bank doch etwas einfach gemacht: in eine Bildanzeige für die schwarzgelbe Karte setzte man zielgruppengerecht das Bild eines Kurvenvorsängers mit Megaphon ein. Da nützte aber auch ein auf dessen Rücken gephotoshoptes BVB-Klubemblem nichts: die Fans erkannten beim Anblick der Annonce im Matchprogramm sofort, dass es sich beim Herrn auf dem Foto nicht um ihren Capo handelt, sondern um denjeniges des innig gehassten Erzfeindes von Schalke 04! (Google: Peinliche Panne im Pott)

Nostalgie und Chronik: a) Ein Verein wie Borussia Mönchengladbach repräsentierte in den siebziger Jahren ein Gegengewicht zum FC Bayern, dem fast ein politischer Charakter zugeschrieben wurde. Jeder kennt diese Mannschaft unter ihrem Namen »Die Fohlen«. Ein Name, der eine wilde und ungezügelte Mannschaft vermuten ließ, ein Team, das sich kaum an Vorgaben hält. Dabei waren die Spieler doch genauso an Systeme, Regeln und ökonomische Interessen gefesselt. Es war alles eine Scheinidylle. Mönchengladbach war jedenfalls kein linker Kontrapunkt zum FC Bayern, zu dem es gemacht wurde. b) Die Chronik des FC Bayern ist 70 Zentimeter hoch und 50 Zentimeter breit, knapp 30 Kilogramm schwer und 552 Seiten dick. Das sind die harten Fakten zu dem Buchkoloß, aber der Prunk geht noch weiter. Der Einband besteht aus Birkenholz und wird am Rücken mit einem Ledereinband gehalten. Das Buch mit einer streng limitierten Auflage von 4111 Exemplaren enthält Statistiken und Geschichten, Fotos und Hintergründe aus 111 Jahren FC Bayern. Zum Verkaufsstart der Monsterchronik trafen sich die Bayern-Trainerlegenden Dettmar Cramer, Udo Lattek und Ottmar Hitzfeld zum gemeinsamen Staunen an der Geschäftsstelle. (11FREUNDE)

Ein Fußballspiel zu besuchen, an dem die eigene Mannschaft nicht teilnimmt, ist ein bißchen wie Ehebruch. Na gut, der Vergleich hinkt. Beim Ehebruch soll ja bisweilen eine Menge Leidenschaft mit im Spiel sein, was man beim fußballerischen Fremdgehen oft nicht behaupten kann. (Frank Goosen)

Eine Abschweifung mit Hermann L. Gremliza im sehr gemischten Doppel zum FC Bayern München (0:37 bis 3:26) http://www.youtube.com/watch?v=yG6s93MTGOA&feature=mfu_in_order&list=UL

Du, Stefan Kleineheismann, bist eine Art Fußballprofi und hast Deinen anstehenden Vereinswechsel auf »op-online« wie folgt kommentiert: »Fürth hätte gerne mit mir verlängert. Es stand jedoch die ganze Zeit nicht fest, ob ich zum Profi- oder Amateurkader gehören soll. Ich hatte hier schöne Jahre und habe eine gute Ausbildung genossen. Es war nun aber an der Zeit, die große weite Welt kennenzulernen.« – Und das ist auch alles sehr hübsch und wäre selbstverständlich keiner Erwähnung wert, wenn Du die große weite Welt nicht ausgerechnet bei welchem Verein kennenlernen wolltest? Genau: bei den »Profis« von Kickers Offenbach! Hoffentlich wird Dir da nicht schwindelig.
Wünschen Dir Deine Landeier von
Titanic-Magazin.de

So schön wird das kleine Finale: Diese Beautys kicken bei der Frauen-WM heute um Platz 3. Schreibt ohne rot zu werden das WEB.DE-Portal. „Für viele ist das kleine Finale die schönste Begegnung der Fußball-WM der Frauen. Denn sowohl die französische als auch die schwedische Mannschaft haben auffällig viele attraktive Spielerinnen. In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen, welche Fußballerinnen das Spiel um Platz 3 ganz besonders anziehend machen. © Imago/Panoramic/Uwe Kraft/Chai v.d. Laage (web.de)

Es gibt den Frauenfußball also ziemlich genauso lange wie den Männerfußball, die Ausgangsbedingungen waren ähnlich, und in beiden Fällen war der Sport stets mit dem Kampf um das Recht auf gesellschaftliche Partizipation verbunden. Dieser wiederum reihte sich immer in andere Kämpfe ein, etwa in den Kampf um das Wahlrecht für Frauen und andere Formen der Teilhabe am politischen Geschehen. »Sport für Frauen war eine Art zu rebellieren«, schreibt der amerikanische Sportjournalist Dave Zirin. Bestimmte Sportarten, etwa das Fahrradfahren oder das Bergsteigen, wurden in einem kulturellen Sinne zu den Feldern, auf denen Frauen für ihre Rechte stritten, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. »Lassen Sie mich erklären, was ich vom Fahrradfahren halte«, schrieb die frühe amerikanische Frauenrechtlerin Susan B. Anthony. »Ich glaube, dass es mehr für die Emanzipation der Frauen getan hat als irgendetwas anderes auf der Welt.« Das Recht auf körperliche Präsenz in der Öffentlichkeit, auf Teilnahme am Sport, ob als Aktive oder als Zuschauerin auf der Tribüne, ist bis zum heutigen Tag aber längst nicht in jedem Land dieser Erde durchgesetzt. Von den Kämpfen iranischer Frauen, überhaupt Fußball schauen zu dürfen, erzählt beispielsweise der iranische Film »Offside« aus dem Jahr 2006. (Martin Krauß)

Im Profifußball, dessen Protagonisten permanent unter Beobachtung stehen, steigert sich der Leistungsdruck ins Unermeßliche, den sich heutzutage ein jeder als „Unternehmer seines eigenen Lebens“ (Ehrenberg) auferlegt. Wie die Öffentlichkeit auf jemanden reagiert, der in diesem System nicht „funktioniert“, sieht man schon daran, daß Google den Zusatz „schwul“ vorschlägt, sobald man den Namen Andreas Biermann eingibt (schon klar, das ist aus anderen ebenso fadenscheinigen Gründen auch bei so manchem Nationalspieler und sonstigen Promis, die auf ihre Frisur achten, der Fall, aber bei dem weniger bekannten Zweitligakicker liegt der Zusammenhang mit der offenbarten Schwäche auf der Hand). Als der ebenfalls an Depressionen leidende junge Fußballstar Sebastian Deisler zurück an den Arbeitsplatz kam, nannten ihn Teamkollegen die Deislerin. Er hat sich inzwischen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.
Andreas Biermann vom FC St. Pauli (Rote Karte Depression. Das Ende einer Karriere im Profifußball, Gütersloher Verlagshaus) wollte der erste an Depression Erkrankte sein, der erfolgreich in den Profisport zurückkehrt – man hat ihn nicht gelassen, was vielleicht sein Glück war. (Marit Hofmann)

Ich habe ja in Osnabrück alles erlebt – Abstiege, Aufstieg, Steuerfahndung, Trainerentlassungen, Suspendierungen. Aber der Wettskandal, das war das Schlimmste. Das hätte ich nie für möglich gehalten, das ist schockierend bis heute. Man quält sich, man versucht alles, denkt an nichts anderes als an den Klassenerhalt – und dann sind da zwei Leute, die mit Absicht verlieren. (Tino Berbig)

Am Nachmittag des 22. Juni 1941 gewinnt Rapid Wien das Finale um die deutsche Meisterschaft im Berliner Olympiastadion gegen Schalke 04 vor 95000 Zuschauern mit 4:3. Im Verlauf dieses Tages werden in Berlin 700, im Reichsgebiet weitere 700 Personen verhaftet – meist sowjetische Staatsangehörige und deutsche Kommunisten. (koslowski)

Man mag es kaum glauben, doch in fast allen deutschen Konzentrationslagern gab es organisierten Sport. »Meist wurde Fußball gespielt«, sagt die Berliner Historikerin Veronika Springmann, »auf extra dafür angelegten Plätzen. In Auschwitz lag der Platz unmittelbar neben dem Krematorium.« In Theresienstadt gab es sogar eine eigene Liga, die sich »Liga Terezin« nannte. »Kleiderkammer« gegen »Ghettowache« oder »Köche« gegen »Hagibor Theresienstadt«, so lauteten dort die Begegnungen. Von dieser Liga gibt es sogar Filmbilder. In einem Propagandafilm mit dem Titel »Der Führer schenkt den Juden eine Stadt« aus dem Jahr 1944 sieht man das Spiel zweier Mannschaften mit je sieben Spielern. Das Match findet im Innenhof einer früheren Kaserne statt, das Publikum sitzt am Spielfeldrand oder drängelt sich an den Fenstern und Gängen. »Sportbegeisterte Zuschauer feuerten die Mannschaften durch kräftige Zurufe an«, heißt es im Bericht des Schriftstellers Hans Günther Adler, der als Überlebender ein Standardwerk über Theresienstadt geschrieben hat. (11 Freunde)

Bei einem nächtlichen Tanken gestern gegenüber dem Preußenstadion habe ich zum erstenmal einen Totenkopfring gesehen, den Heinrich Himmler seinen Unmenschen verliehen hat als private Auszeichnung. Wikipedia schreibt, daß etwa 16.000 Ringe während des endgültigen Untergangs der Menschheit vergeben worden sind.
Während ich an der Kasse hantierte, erzählte der augenscheinlich einer Security angehörige Mann, der ein kleines Kästlein in den Händen hielt, dem Kassierer, daß er den Verkauf, der Preis stand bei 2.600, wegen eines Einsatzes abbrechen mußte. Ich glaube, dem Kassierer war die Unterhaltung peinlich. Ich fragte zu meinem Rücken: „Ist das der Ring?“ und er öffnete die alte Schatulle und nahm einen silbernen Ring heraus, den Totenkopf oben herausgeschält, die Gravierungen vorlesend, immer betonend „Original“, „hat Himmler echt vergeben“, ein „Original“.
Ich nicke, schaue, sehe die Runen, diesen Totenkopf, das alte Silber, kann die Gravur „Himmler“ lesen.
Ich wünsche einen schönen Abend und bin weg. Weil ich diese Begebenheit ganz schnell dokumentieren will. (Rainer Kühns Notate)

Die Schotten führten in einem internationalen Spiel gegen England in Glasgow eine sensationelle neue Taktik ein, das Paßspiel. Damit änderte sich der Fußball für alle Zeiten und wurde von einem individuellen Spiel, das auf den Dribbelkünsten einzelner basierte, zu einem Mannschaftsspiel, das auf dem Zusammenwirken vieler beruhte. (Richard Hoyt)

Donaufußball: Jonathan Wilson benennt in seinem Buch Revolutionen auf dem Rasen. Eine Geschichte der Fußballtaktik als Ursache für das weitgehend körperlose und oft nicht aufs Ergebnis achtende Spiel, daß zu jedem Club ein Kaffeehaus gehört habe, »in dem sich Spieler, Anhänger, Funktionäre und die schreibende Zunft mischten«. Damalige Stars wie Josef Uridil oder Matthias Sindelar waren also zunächst Helden der Kaffeehäuser und weniger des überwiegend proletarischen Stadionpublikums.“

Der Tritt gilt einzig dem Ball. (J. R. Thring, The Simplest Game, 1862)

Spiellesen TP- Artikel 510764 Freitag, 13. Januar 2012 18:17
Ach Kinder,
da finde ich mal die Zeit, zu lesen und zu schreiben – und was kommt? wenig, ganz, ganz wenig.
Jetzt habt ihr schon mal so ein Brain wie mich und lasst die Zeit nutzlos verstreichen. Naja, so ist es. Das liegt bestimmt nicht an fehlendem intellektuellen Zugang(oder doch), wohl eher an Faulheit.
wie auch immer,
ich muß mich jetzt leider für längere Zeit von Euch verabschieden (befinde mich auf Vortragsreise, da ich Geld verdienen muß).
Seid nicht traurig, ich komme ja wieder, versprochen!

Ich freue mich schon auf Netzbergers kurze, geheimnisvolle Kommentare, auf Anti-MS ( den ich ja mittlerweile richtig gerne habe ) auf Panne ( warum macht der sich so dünn? ) und und und , – und auf die nächste soziologische Abhandlung von AliBölzen ( ich werde sie kommentieren, wenn es sich lohnt) und auf alle früheren und aktuellen wettergegerbten Fans.
Schließen möchte ich mit einem Gedicht zu meinem heutigen Beitrag, in dem ich dieses Forum als graue Eminenz apostrophiert habe:

„Graue Eminenz“

Die Führung ist allein Verein
der Kalla ist allein zu klein

Dies Forum
jetzt und immer da
gibt Stimmung preis
und wird für wahr

dem VFL die Richtung geben

nicht im Verein
sondern daneben

Als Background
VFL-Gewissen
die Führung kann sich hier
verpissen

Denn Führung ist ein schweres Los
bringt Führer die meist führungslos

Hier sind die Schreiber,
Fans und Denker
und all die Fans
und Schicksalslenker

So wird sich nach dem nächsten Spiel
sondieren
was dereinst gefiel

Wir werden schon zusammenhalten
die jungen
und
klar!
auch die Alten

es ist ja doch nur Mummenschanz
das goldne Kalb
der große Tanz

um diese eine kleine Kugel
die schwarz und weiß
(guck mal auf google)

sich hoffentlich
ganz oft verirrt
in Gegners Tor

und wenn`s passiert

lasst uns zum Jubel überschreiten
langweilig sind sonst diese Zeiten

mit Krisen nur
und Hundsgebell
Am Arsch
Forza
und
VFL

Im Mutterland des Fußballs
***gewidmet Ente Lippens
Alles fing damit an, daß mein Vater nicht nur seinen Freund, nennen wir ihn wahrheitsgemäß Düsings Jupp, mit zum Fußball nahm, – oder war es umgekehrt ? – sondern nun auch noch mich. Ich konnte gerade über den Ball gucken, als ich beim HSC die Fußballschuhe anzog, und das Emblem, das auf meiner Brust wie auf meinem blütenweißen Trikot wirklich aufgestickt war, interpretierte ich als gekreuzte Knochen, bis mich jemand aufklärte, es solle ein vierblättriges Kleeblatt darstellen.
Glück hatten wir aber nie. Niederlagen im einstelligen Bereich waren schon Erfolge, und am meisten Spaß machte eh, gleich den frühen Samstagnachmittag auf Straße und Hof der Nachbarschaft mit komplettem Trikotsatz und halber Mannschaft sich für das richtige Spiel darauf heißzulaufen. Vielleicht war diese intensive und, denken wir nur an Michael, zuweilen verbissene Vorbereitung auch ein Grund unseres häufigen Mißlingens im Wettbewerb um Tore, Punkte, Meisterschaft.
Der HSC, eine grün-weiße Gründung im südwestlichen Niedersachsen, blickte augenscheinlich auf in den Norden, wo Horst Höttges und Co. ihr Wesen trieben. Vielleicht hat der Spitzname „Eisenfuß“ mich damals zur fälschlichen Perspektive auf mein geliebtes Vereinssignet verführt. Aber das wird nicht mehr aufzuklären sein. Dennoch sah man in Haaren die konkrete Zukunft lila, denn die paar Kilometer ins Stadion an der Bremer Brücke konnte man, gerade nach den wilden Motorradjahren notdürftig und vollfamiliär motorisiert mit einem blütenweißen VW Käfer, relativ gefahrlos und motorschonend hin- und zurücklegen.
Dazwischen aber gab´s das Spiel. Und meine erste echte Erinnerung an das Spiel war die gegen Röchling Völklingen, ein Aufstiegskracher erster Güte, da wo fast so viele Tore fielen wie in unseren Spielen. Nur gerechter verteilt, wie in der Erwachsenenwelt allgemein üblich. Für unseren VfL ging´s aber letztlich doch ungerecht aus: mit 3:4 wurde die Mannschaft mit dem eigentümlichen Namen als Sieger nach Hause geschickt, man selbst hoffte, von der Kamera auf dem wackeligen Holzturm der Haupttribüne als jubelnder Fan des Stehplatzparadieses eingefangen worden zu sein – und natürlich auf das nächste Spiel, das bekanntlich auch im sozialen Wohlfahrtsstaat der Handelsgoldraucher noch schwerer war. Es gab auch Spiele, an die man sich nicht mehr erinnert, die man aber wie jeder andere auch, der dabei oder nicht dabei war, im fußballbewegten Munde führt: das 6:6 damals, das 2:1 zu Hause, und wie dann auf einmal der Erzrivale statt eines Vereinsabzeichens den Jägermeisterhirsch auf der Brust hatte.
Meine aktive Zeit, in der ich Europameister, Weltmeister und nochmals Europameister wurde, hörte auf, als der Nasenbeinbruch und die vielen Abschürfungen und die blauen Flecken längst verheilt, verkrustet und verweht waren, als ich nach zwanzig Jahren unkontrollierter Offensive ein Trikot mit dem Namen des örtlichen Bauunternehmers drauf hätte überstreifen müssen. Doch mich kommandierte das Spiel des Lebens ab ins Studium anderer Ernsthaftigkeiten. Und die Mädchen guckten schließlich auch nicht mehr.

Als mitten aus den Wirren des richtigen Lebens das Lokalderby des SV gegen die Preußen sich wieder einmal anschickte, aber nun nicht mehr als Wiederkehr der ewigen, vielmehr als Eröffnung der neuen Jahrhundertrivalität, da sagte Vater Hinrich zu seinem Sohn Friedemann wie zu seiner kompletten Kleinfamilie, da, genau da sei hinzugehen und zu gucken.
Die vielen Bälle in allen Größen im und rund um´s Haus herum hatten bisher, zum Leidwesen des engagierten Passivsportlers und obendrein Vereinspassivisten Hinrich, nur zu unsäglichen Handspielen des Fünfjährigen geführt. Die Sportberichterstattung des Vaters und auch des Fernsehens lehnte er ab. Er entzog sich konsequent jeglicher emotionsgeladener Basisinformation.
Am Sonntag, nach dem obligatorischen Essenswunsch des einzigen, liebsten, wunderbarsten, aber eben fußballresistenten Sohnes, (Spaghetti mit Käsesoße) ging´s zum Jahnstadion, der Bezirksklasse das amateurhafte Loblied zu singen.
Mit seiner Frau (ein Hingucker) und damaligen Göttin hatte Hinrich nach seiner aktiven Zeit nur die crème de la crème gesehen, sogar den FC Everton gegen Chelsea London. Durch die Republik gefahren und sie sich angeschaut in ihren Städten haben und sind sie nach den Spielplänen der Bundesliga, so verquer das ihnen, lieber Leser, auch aufhorchen läßt bis zuletzt: HSV gegen VfB, Bayern gegen Eintracht, Hertha gegen Werder. Und die Heimspiele gegen den Altrekordmeister, gegen den neuen Rekordmeister, gegen unseren VfL auch; als Zeugen Yeboahs.
Legitimiert wurde das Rumgefahre zwischen den weder ertragreichen noch erträglichen Arbeitswochen durch Sightseeing, Museumsbesuch und War-ich-schon-Bewußtsein. FSV Frankfurt gegen St. Pauli? War ich dabei. Bundesligagründungsmitglied Münster Amateurmeister auf dem Biberer Berg? War ich dabei. Selbst Bielefeld erledigten wir, sahen wir Kleff, den sportiven Hüter der Otto-Filme.
Nun aber ging´s die Tradition zu wahren ins Jahnstadion des gelb-roten SV zu Burgsteinfurt. Die Preußen aus Borghorst kamen. Borghorst? Eine vor sechsundzwanzig Jahren im Zuge der Gemeindereform und weiteren Raubbaus einverleibten Gemeinde, die sich via Fußball wie jenes gallische Dorf der endgültigen Unterwerfung unter den gemeinsamen Zwangsnamen Steinfurt sträubt. Schwarz-Weiß gegen Rot-Gelb also.
Wer sind wir? fragt Friedemann kaum daß wir das Areal betreten haben. Die Roten, antwortet der gerade Zugezogene. Aha. Warum sind hier keine Zuschauer? fragt Friedemann, der bei seinen Sportschau- oder genauer ran-Fluchten nur fangefüllte Tribünen gesehen hat. Wieso, hier stehen doch schon weit über hundert, entsetzt sich der Vater.
Ich will eine Cola! – Zum Glück hat Hinrich einen Ball mitgenommen, und auf dem schönen Gelände des Jahnstadions kann er tatsächlich mit seinem Sohn ein bißchen kicken, bevor das Spiel angepfiffen wird und Friedemann sein obligatorisches Handspiel begeht. Die bemitleidenswerte Mutter wie hübsche Frau unterhält sich derweil mit Bekannten vom Kindergarten, denen der Anlaß ebenfalls egal ist. Anpfiff. (Aus so dämlichen Tatsachen kann man Marken machen!) Wie lange müssen wir noch hier bleiben? fragt Friedemann. Hat doch grad erst angefangen.
Sie sitzen auf den Stufen und reden. Bezirksklasse eben. Wie viele sind das? Elf Freunde plus elf Freunde sind? Und der Schwarze? Wann der, der da, denn pfeift, will er wissen. – Hinrich erklärt derweil seiner Frau und ihrer Kindergartenbekannten noch- wie erstmals die Abseitsregel … Aber auf die unabweisbare Frage aus der Tiefe des Raums mit dem Charme einer ungeheuerlichen Bananenflanke bleibt selbst Traditionswart Hinrich nur der letztgültige mannhafte Gang in die Vereinskneipe, das wahre Mutterland des Fußballs: Du, Papa, warum haben die eigentlich nur einen Ball …?
(ehemals auf steinfurt-in-bild-und-text.de)

>>>
In meinem zweiten Lebensjahr gründete das 1400-Seelen-Dorf (700 Einwohner/700 Milchkühe) den glorreichen HSC, der als Emblem zwei gekreuzte Knochen hatte, die mir aber immer, weil Grün auf weißem Grund die Vereinsfarbe, als Kleeblatt, natürlich vierblättrig, gedeutet wurden. Ich blieb skeptisch, obwohl ich seit 66 doch mitspielte. – Und da kam schon der Nachbarclub aus Vehrte, auch so ein unterbelichteter User des Rasens, und machte mit uns eine beide rettende Spielvereinigung. Den Trainer machte die Crew der Käferflotte I II III, eingeflogen für unsere Erste vom Konkurrenzclub aus Belm-Powe, sie fuhr uns als Trainerdreifaltigkeit bei Slade- und Sweet- und Middle-of-the-road- und T-Rex-Musik zum Hallentraining nach Ostercappeln in die Schulturnhalle. Da spielten wir Fußballgott. Auf dem Platz freilich meist Niederlagen in unglaublicher Höhe. – Nachdem dieses Nichtgewerke so fünf, sechs Jahre ertragen war, fand ich bei Besuchen mit meinem Vater und seinem Freund des bundesligaambitionierten Vereins für Leibesübungen in der nächst erreichbaren Urbanität die Farben, die mich auch in der Nachbarschaft anmachten: lila-weiß. Kurz: Ich wechselte zum OFV und kaufte mir beim VfL-Idol Michailoff in der Nähe des historischen Rathauses des Friedens II noch ein TT-Hanno-3-Stern-2-Millimeter, um auf Rensmanns Feld nun Fußball und in der besagten Turnhalle Tischtennis zu spielen in den Farben meines Sportlerlebens. Mit Trainer Schwöppe konnte ich letztlich vier, fünf Meter hinter dem Tisch circa 54, 66, 72 und gar 74 Bälle spielen, ehe der Angriffsspieler neben die Platte haute. Das waren schöne sechs Jahre mit zwei Aufstiegssaisons. Und der Fußball? Drei aus der A-Jugend gingen gerade rauf die höchste Jugendliga des NFV, ein Torwart, ein Goalgetter, ein Libero. Ich kam in der C-Jugend zum OFV, als Torwart, dem gerade familär bedingt ein Trainingslager in Hannover verwehrt wurde, vom Niedersächsischen Fußballverband ausgelobt. Dabei hatte ich sooo ein schönes gelbes Trikot und gelbe Handschuhe, auf denen in der Innenseite grüne Noppen wie bei TT-Abwehrspielern aufgenäht waren. Egal, in den zwei Jahren C-Jugend beim OFV wuchs ich nicht mehr, und so mußten meine einseinundsiebzig in der B den Libero machen. Ich las das Spiel, und konnte doch nicht das weitere verhindern. Meine Position wurde bis in die letzten Spielzeiten im Osnabrücker Land hinein – die während des Studiums in Münster schleichend zuende gingen – die rechte Außenbahn, Verteidiger mit Hang zu den schönen Mädels an der Außenlinie. Tja, früher standen sie hinter mir, hinter meinem Tor. Die eine auch, die auch sonst immer dabei war. Bis zu den Zeugen Yeboahs im Waldstadion.
Dann hießen – als die Werktätigkeit mich und das besagte Mädchen mal freiließ – die Stadien mit einmal Arenas. Das hatten wir auf unseren vielfach interessierten Wochenendreisen durch die Städte und Stadien der ganzen Republik noch nicht erlebt. Südstadion Köln war – glaub ich – die letzte Stadion. Als Arena habe ich tatsächlich nur den ollen Hexenkessel an der Bremer Brücke besucht, da wo alles anfing, als meine Sportwelt lila-weiß wurde.
< <<

***
Der FC Liverpool ist nur eine Abspaltung des ruhmreichen Everton FC, resultierend aus Streitigkeiten um die Miethöhe des Stadions an der Anfield Road. Aus dieser Rivalität aus dem vorvorherigen Jahrhundert resultiert das Merseysidederby, in Wahrheit bis heute das einzige Derby der ganzen Fußballwelt. Die Toffees heißen sie, oder The Blues, und sie machen ihr Kick-and-Rush im Goodison Park.
Eine Cricket-Mannschaft der St. Domingo Methodist Church war der Grundstein des Football Club, der sich sofort den Namen nach dem Bezirk Everton zulegte. Seit 1878 in blau-weiß gestreiften Trikots viele Anhänger ziehend, erwarb der Fan und Mäzen John Houlding, ortsansässiger Brauereiunternehmer und späterer Vereinsvorsitzender, das Spielfeld an der Anfield Road. Auch der Zusammenhang von Ball, Bier und Bratwurst geht also auf den tollen Verein an der Mersey zurück. Seit 1885 also Profibedingungen; und das ist kein Verschreiber.
Im Zuge der von zwölf Clubs gegründeten Football League machte der Brauereibesitzer so viel Kohle, daß er den Hals nicht voll kriegen konnte. Er verdoppelte die Anfield-Stadion-Miete, aber der Vorstand des Everton FC schwärmte kurz aus, sah die Vision, und 1892 war die Spielstätte Goodison Park hingestellt, die Blaue Kiste mitten im Viertel, bis heute. Der Kapitalist Houlding aber sammelte einige Verirrte, um mit ihnen als FC Liverpool an der Anfield-Road seine Geldströme weiter fließen zu lassen. Beim ersten Merseysidederby in der Saison 1894/95 fertigen The Blues die Reds mit 4:0 ab, vor vierundvierzigtausend Zuschauern im heimischen Goodison Park. – Die Rivalität ist bis heute da, geht quer durch die Familien, aber es ist eine fast immer durch und durch freundschaftliche.
In der zweiten goldenen Ära des nach Titeln sechstbesten britischen Clubs überhaupt, den 80er Jahren, habe das Stadion live erlebt, die Stadt, die Fans; wie hier im normalen Leben eben ganz normale Leute. Es war der Wahnsinn. Ich hatte schon einige Klassiker der Regionalliga Nord gesehen und klägliche Bundesligaspiele im Ruhrpott, in Hannover oder Bremen. Kein Wunder, daß der Abstand mir einer von der Erde bis zum Mond gleichsam war. Und auf dem Mond waren bisher nur die Amerikaner; nun auch die Briten. Das blaue Trikot gehießt! – War da denn schon der Namenszug der chinesischen Brauerei Chang drauf? Ich weiß es nicht mehr. Wesentliche Ernährungsfragen regelten Fish&Chips sowie Newcastle Brown Ale. Jedenfalls war der EFC bald Meister und mischte den Europapokal der Landesmeister auf und schaltete auf dem Weg zum Titel gegen Rapid Wien auch den FC Bayern aus.
Als ich Zeuge Yeboahs war bzw. dann des fußballerischen Niedergangs im Waldstadion durch neues Trainerschaffen, kam der Verein mit dem Motto Nils satis, nisi optimum wieder näher in meinen Blick. Durch Wayne Rooney natürlich, auch so ein Torbegabter des britischen Fußballs. Wie Best und Gascoigne pflegte er ein kraftvoll-trickreiches Spiel bei proletarischer Herkunft mit katholischem Tick, Rosenkranz; einfach britisch, aber gesetzt, ohne Eskapaden. Schade, daß er bei Länderturnieren immer Pech hatte. 2004, ein Drama, 2008, ein Drama, und jetzt, 2012, auch wieder für die ersten beiden Gruppenspiele gesperrt. Die verantwortlichen Verbände sollte man: – auf den Mond schießen!
Durch: The Three Lions!
Und die Fans singen diesen Refrain, wenn ihre Nationalelf die Welle macht:
Rule, Britannia! Britannia rule the waves! Britons never will be slaves.
***